August von Platen
Wenn ich hoch den Becher schwenke, süßberauscht... (August von Platen)

 

Wenn ich hoch den Becher schwenke, süßberauscht,

Fühl ich erst, wie tief ich denke süßberauscht;

Mir wie Perlen runden lieblich Verse sich,

Die ich schnüreweis verschenke, süßberauscht;

Voll des Weines knüpf ich kühn des Zornes Dolch

An der Liebe Wehrgehenke, süßberauscht;

Hoffen darf ich, überhoben meiner selbst,

Daß ein fremder Schritt mich lenke süßberauscht;

Staunend hören mich die Freunde, weil ich tief

In Mysterien mich senke süßberauscht;

Weil mein Ich sich ganz entfaltet, wenn ich frei

Keiner Vorsicht mehr gedenke, süßberauscht;

Wehe, wer sich hinzugeben nie vermocht,

Wer dich nie geküßt, o Schenke! süßberauscht.

Verfügbare Informationen:
ISBN: 3-15-000291-5
Erschienen im Buch "Gedichte"
Herausgeber: Philipp Reclam jun.