August von Platen
Wer immer Gott ergeben, er opfert sich der Welt... (August von Platen)

 

Wer immer Gott ergeben, er opfert sich der Welt;

Es fließt der Saft der Reben, er opfert sich der Welt;

Den Seidenwurm erblickt' ich, und sah ihn wohlgemut

Den Sarg sich selber weben, er opfert sich der Welt;

Ich sah den Halm des Feldes, der ehedem gewogt,

Im Sicheltode beben, er opfert sich der Welt;

Es läßt melod'sche Seufzer, wiewohl sie töten ihn,

Der Schwan gelind verschweben, er opfert sich der Welt;

Ich sah der Rose Busen, geschwellt von Wohlgeruch,

Dem Sturme hingegeben, er opfert sich der Welt;

Ich sah die Völker alle, als einen großen Leib,

Den Deutschen als ihr Leben, er opfert sich der Welt.

Verfügbare Informationen:
ISBN: 3-15-000291-5
Erschienen im Buch "Gedichte"
Herausgeber: Philipp Reclam jun.