Gottfried August Bürger
Volker's Schwanenlied (Gottfried August Bürger)

           

Sonst schlug die Lieb' aus mir so helle

Wie eine Nachtigall am Quelle.

Nun hat sie meine Kunst geirrt,

Daß jeder Laut zum Seufzer wird.

O Liebe, wundersüßes Wesen,

Wovon die Kranken oft genesen,

Ja Todte schier vom Grab erstehn,

Mich drängest du, in's Grab zu gehn!

Im Busen hegt' ich dich so lange,

Wie Jener die erstarrte Schlange.

Dem Busen, der ihr Leben bot,

Gab sie zum Lohne Schmerz und Tod.

Nun, süße Mörderin des Lebens,

O Molly, laß nur nicht vergebens

Mein Flehn, mein letztes Flehen sein:

Vergiß nicht, ach, vergiß nicht mein!

Auf meiner Gruft, wo ich verwese,

Will ich, daß sanftes Mitleid lese:

»Wie Volker liebt' und litt kein Mann;

Der Hoffnungslose starb daran.« –

Fritz Stolberg, Harfner, der vor Allen

Mir stets von Herzen wohlgefallen,

Mann, der voll Gotteskraft und Geist

So herzlich Tugend liebt und preist!

Dir, Freund, vermach' ich Kranz und Leier,

Doch nur geweiht zu Molly's Feier.

Der Name Molly sei verwebt

In jedes Lied, das ihr entschwebt!

Nun sei, o Gott, dem Armen gnädig!

Laß alle Schuld ihn los und ledig!

Laß nie in andern Flammen ihn

Als Flammen seiner Liebe glühn!

Verfügbare Informationen:
Erschienen im Buch "Gedichte"
Herausgeber: Philipp Reclam jun.