Gottfried August Bürger

Des Schäfers Liebeswerbung (Gottfried August Bürger)

(Für Herrn Voß vor seiner Hochzeit gesungen.)

       

Komm, sei mein Liebchen, sei mein Weib!

Und fordre Lust und Zeitvertreib,

So oft und viel dein Herz begehrt,

Und Garten, Flur und Hain gewährt.

Bald wollen wir von freien Höhn

Die Heerden um uns weiden sehn

Und sehn der Lämmer Fröhlichkeit

Und junger Stiere Hörnerstreit.

Bald hören durch den Birkenhain

Das Tutti froher Vögelein

Und an des Bächleins Murmelfall

Das Solo einer Nachtigall.

Bald rudern auf bekränztem Kahn

Den See hinab, den See hinan,

Bald Fischchen angeln aus der Flut,

Bald locken junge Vögelbrut.

Bald athmen auf der Maienflur

Den Duft der blühenden Natur,

Bald um die dünnbebuschten Höhn

Nach Erd- und Heidelbeeren gehn.

Ein Blumengurt, ein Myrtenhut

Kühlt Liebchen vor des Sommers Glut.

Ich bett' es, kommt ein Schlaf ihm an,

Auf weiches Moos und Thymian.

Ich sing' und blas' auf meinem Rohr

Dir täglich Lust und Liebe vor;

Ist das für Liebchen Zeitvertreib,

So sei mein Liebchen, sei mein Weib!

Verfügbare Informationen:
Erschienen im Buch "Gedichte"
Herausgeber: Philipp Reclam jun.