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Gottfried August Bürger Das Dörfchen (Gottfried August Bürger)Ich rühme mir Mein Dörfchen hier; Denn schönre Auen, Als ringsumher Die Blicke schauen, Blühn nirgends mehr. Welch ein Gefilde, Zum schönsten Bilde Für Dietrich's Hand! Hier Felsenwand, Dort Aehrenfelder Und Wiesengrün, Dem blaue Wälder Die Grenze ziehn! An jener Höhe Die Schäferei, Und in der Nähe Mein Sorgenfrei! So nenn' ich meine Geliebte, kleine Einsiedelei, Worin ich lebe, Zur Lust versteckt, Die ein Gewebe Von Ulm und Rebe Grün überdeckt. Dort kränzen Schlehen Die braune Kluft, Und Pappeln wehen In blauer Luft. Mit sanftem Rieseln Schleicht hier gemach Auf Silberkieseln Ein heller Bach, Fließt unter Zweigen, Die über ihn Sich wölbend neigen, Bald schüchtern hin; Läßt bald im Spiegel Den grünen Hügel, Wo Lämmer gehn, Des Ufers Büschchen Und alle Fischchen Im Grunde sehn; Da gleiten Schmerlen Und blasen Perlen, Ihr schneller Lauf Geht bald hinnieder, Und bald herauf Zur Fläche wieder. Schön ist die Flur; Allein Elise Macht sie mir nur Zum Paradiese. Der erste Blick Des Morgens wecket Auch unser Glück. Nur leicht bedecket, Führt sie mich hin, Wo Florens Beete Die Königin Der Morgenröthe Mit Thränen näßt Und Perlen blitzen Von allen Spitzen Des Grases läßt. Die Knospe spaltet Die volle Brust, Die Blume faltet Sich auf zur Lust; Sie blüht, und blühet Doch schöner nicht, Als das Gesicht Elisens glühet. Wann's heißer wird, Geht man selbander Zu dem Mäander, Der unten irrt. Das sinkt zum Bade Der Schäferin An das Gestade Das Röckchen hin. Soll ich nicht eilen, Die Lust zu theilen? Der Tag ist schwül, Geheim die Stelle, Und klar und kühl Die Badequelle. Ein leichtes Mahl Mehrt dann die Zahl Von unsern Freuden. In weichem Gras, An Pappelweiden Steht zwischen beiden Das volle Glas. Der Trunk erweitert Nun bald das Herz, Und Witz erheitert Den sanften Scherz. Sie kommt und winket Und schenkt mir ein; Doch lachend trinket Sie selbst den Wein, Flieht dann und dünket Sich gut versteckt; Doch bald entdeckt, Muß sie mit Küssen Den Frevel büßen. Drauf mischet sie Die Melodie Der süßen Kehle In das Ahi Der Philomele, Die so voll Seele Nie sang wie sie. O Seligkeit! Daß doch die Zeit Dich nie zerstöre, Mir frisches Blut, Ihr treuen Muth Und Reiz gewähre! Das Glück mag dann Mit vollen Händen An Jedermann, Der schleppen kann, Sich arm verschwenden. Ich seh' es an, Entfernt vom Neide, Und stimme dann Mein Liedchen an Zum Tanz der Freude: Ich rühme mir Mein Dörfchen hier. Verfügbare Informationen: Erschienen im Buch "Gedichte" ISBN: Unbekannt Herausgeber: Philipp Reclam jun. Mehr Bürger Gedichte? Bitte klicken Sie Gottfried August Bürger. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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