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Gottfried Keller Am Himmelfahrtstage 1846 (Gottfried Keller)Ausgestorben scheint die Stadt, Weil, was sich des Lebens freut Und den Bund mit ihm erneut, Sich hinaus begeben hat Auf die Hügel, auf die Berge, Angefüllt wird jedes Tal, Rühren wird sich Wirt und Ferge In dem warmen Maienstrahl. Von dem höchsten Giebel schau' Ich hinaus, o welch Gewimmel! Ja, die Erde trägt gen Himmel Menschenherz und grüne Au! Und wie ferne Kirchenfahnen Flattert's von der Burg Geländern Bunt von seidnen Lenzgewändern Unter grünenden Platanen. Einsam wehen hier die Linden Dieser Stadt um stille Dächer - Ach, wie einen leeren Becher Muss ich die verlassne finden, Einen Becher, dessen Schein Wird geflohn von jedem Munde, Und auf dessen dunkelm Grunde Ich der letzte Tropfen Wein! In die kühle Dämmernacht Meines Hauses steig' ich nieder, Wo mir meine jungen Lieder Schlummern, bis ihr Tag erwacht; Wo ein Strauss von Fliederzweigen Drüber nickt mit stillem Neigen, Mit erwartungsvollem Schweigen Wilde Röschen halten Wacht. Nun in tiefer Einsamkeit Schreib' ich, eh' für immer schied Mir die lange Morgenzeit, Meiner Jugend letztes Lied; Und der Hoffnung sei's geweiht! Was ich hoffe, hofft die Welt; Ist sie nur zur Fahrt bereit, Wird sie selbst ihr Himmelszelt! Tu' dich auf, o schöner Schrein, Lasse deine Schätze funkeln! Lass sie, blitzend hell, verdunkeln Der Martyrer blass Gebein! - Weihrauch sind die Frühlingsdüfte, Und auch du, mein Schwalbenzug, Flattre, leichter Liederflug, Aufwärts in die freien Lüfte! Stille der Nacht Willkommen, klare Sommernacht, Die auf betauten Fluren liegt! Gegrüsst mir, goldne Sternenpracht, Die spielend sich im Weltraum wiegt! Das Urgebirge um mich her Ist schweigend, wie mein Nachtgebet; Weit hinter ihm hör' ich das Meer Im Geist und wie die Brandung geht. Ich höre einen Flötenton, Den mir die Luft von Westen bringt, Indes herauf im Osten schon Des Tages leise Ahnung dringt. Ich sinne, wo in weiter Welt Jetzt sterben mag ein Menschenkind - Und ob vielleicht den Einzug hält Das viel ersehnte Heldenkind. Der letzte leise Schmerz und Spott Verschwindet aus des Herzens Grund; Es ist, als tät' der alte Gott Mir endlich seinen Namen kund. Mehr Keller Gedichte? Bitte klicken Sie Gottfried Keller. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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