Eduard Mörike
Lose Ware (Eduard Mörike)

"Tinte! Tinte, wer braucht? Schoen schwarze Tinte verkauf ich!"

Rief ein Bueblein gar hell Strassen hinauf und hinab.

Lachend traf sein feuriger Blick mich oben im Fenster,

Eh ich michs irgend versah, huscht er ins Zimmer herein.

Knabe, dich rief niemand! - "Herr, meine Ware versucht nur!"

Und sein Faesschen behend schwang er vom Ruecken herum.

Da verschob sich das halbzerrissene Jaeckchen ein wenig

An der Schulter und hell schimmert ein Fluegel hervor.

Ei, lass sehen, mein Sohn, du fuehrst auch Federn im Handel?

Amor, verkleidetet Schelm! soll ich dich rupfen sogleich?

Und er laechelt, entlarvt, und legt auf die Lippen den Finger:

"Stille! sie sind nicht verzollt - stoert die Geschaefte mir nicht!

Gebt das Gefaess, ich fuell es umsonst, und bleiben wir Freunde!"

Dies gesagt und getan, schluepft er zur Tuere hinaus. -

Angefuehrt hat er mich doch: denn will ich was Nuetzliches schreiben,

Gleich wird ein Liebesbrief, gleich ein Erotikon draus.