August von Platen
So war ich ein Ball des Geschicks nur? Die Liebe, sie schied und sie kam... (August von Platen)

 

So war ich ein Ball des Geschicks nur? Die Liebe, sie schied und sie kam,

Sie brachte mir liebliche Hoffnung, sie brachte mir tödlichen Gram;

Doch ward sie auf immer verbannt nun, und all ihr Gefolge mit ihr:

Die Trauer, die Sorge, die Sehnsucht, die Furcht, die Begierde, die Scham;

Und nun, da der Schenke mir Wein beut, und Rosen in rosiger Hand,

Entrinnet dem Herzen das Blut leicht, das sonst mir den Odem benahm;

Nicht mehr in unendlicher Schwermut verlangt und erbangt das Gemüt,

Ich huldige ruhiger Neigung, so treu, so gelinde, so zahm;

Wohl rühm ich die Tulpe der Schönheit, doch ohne bestochen zu sein,

Zum Spiele nun schwingt sich der Geist frei, der jedem Verlangen entkam;

Erwähle die Tulpe, wie Hafis, die Rose der Liebe verlaß,

Betäubend erfüllt ihr Geruch dich, es machen die Stachel dich lahm.

Verfügbare Informationen:
ISBN: 3-15-000291-5
Erschienen im Buch "Gedichte"
Herausgeber: Philipp Reclam jun.