Peter Hille
Mein Kreuz (Peter Hille)

                 

 

An meinen Werken bin ich aufgenagelt,

Ich bin so tot, wie sie lebendig sind.

Mein Blut ist all in sie hineingeflossen.

Zerwühltes Himmellager. Schwefelwerk

Baut heiß und gleißend, schwer und schwarz sich auf.

Ich bin so tot, wie sie lebendig sind

Und fühle hinter meinem Haupte rascheln

Wie welken Kranz den Saft, der mir entstieg.

Der mich verließ der treulos floß hinüber.

Wie eine Schmähschrift

Zischelt sechs ins Ohr mir:

Ich bin so hoch, wie die da niedrig sind.

Und bin so ganz verkehrt an jedem Sein,

Ein Spielzeug strenger Himmel, das zerbrochen

Von Anbeginn. Und mürrisch läßt

Es mich im Winkel – und schwingen blühend

Hin hohe Reigen. Frageliebesblick

Munterer Weltenmädchen

Plaudert.

Und wie ich niederschaue totverloren,

Da wiehert auf das Kaffeehaus und reicht

Aus spitzem Keil, dem tintengiftumgrünten –

Aasfliegen strotzen so im Schillerpanzer –

Mir einen Wisch mit Lauge. Von Doktor So und so.

Und Jüngerfrauen,

Die stehn gar mildiglich verwundert, unverwandt

Zu mir empor zu schauen. Dann ruft der Topf sie

»Leben Sie recht wohl, Herr Hille!«

Verfügbare Informationen:
ISBN: 3-371-00365-5
Erschienen im Buch "Peter Hille – der Bohemien von Schlachtensee"
Herausgeber: Morgenbuch Verlag