Gottfried Keller

Nikolai (Gottfried Keller)

Unabsehbar auf der Steppe lieget nah und lieget ferne

Ohne Ton die Himmelsglocke, sonder Farbe, sonder Sterne.

Unaufhörlich Schneegestöber niederweht auf Dorn und

Steine,

Deckend in den Wagengleisen bleiche polnische Gebeine.

Horch, was sauset im Galoppe wie ein Geisterzug vorüber?

Langgestreckt schwirrt an der Erde eine wilde Jagd hinüber.

Mäntel flattern, Reiter flogen, bärt'ge Reiter windgetragen,

Rings umschwebt von ihren Lanzen ohne Räder glitt ein Wagen.

Leise zittert noch die Heide; doch dann wird es stille wieder,

Nur der Schnee in weissen Flocken fällt mit stummer Last

hernieder.

Wieder hallt es in den Höhen, und die grauen Lüfte sprechen,

Wie mich dünkt, mit kaltem Hauche: "Wie ein Rohr wird

er zerbrechen!"