Gottfried Keller
Mönchspredigt (Gottfried Keller)

Es schlägt der Mönch aufs Kanzelbrett

Und macht gar schlimme Witze;

Sein Hals ist kurz, der Atem fett,

Sein Wort voll roter Hitze.

Er endet just, mit glühndem Hauch

Die Hölle heiss zu schildern;

"Gott selber," schreit er, "wollt' er auch,

Kann jene Qual nicht mildern!

Gott schloss der Hölle schwarz Portal

Und hat den Schlüssel verloren!

Solange Gott lebt, lebt die Qual,

Das ist euch zugeschworen!"

Er rief's; der böse Schwaden steigt

Aus seinen Eingeweiden;

Still rührt der Schlag - der Lästrer schweigt

Und endet ohne Leiden.

Uns ist auf seiner fahlen Stirn

Ein guter Trost erworben:

Der böse Gott in seinem Hirn

Ist still mit ihm verdorben!