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Gottfried Keller Der Nachtschwärmer (Gottfried Keller)Von heisser Lebenslust entglüht Hab' ich das Sommerland durchstreift, Darüber ist der Tag verblüht Und zu der schönsten Nacht gereift. Ich steige auf des Berges Rücken Zur Kanzel von Granit empor Und beuge mich mit trunknen Blicken In die entschlafne Landschaft vor. Am andern Berge drüben steht Im Sternenschein der Liebe Haus, Aus seinem offnen Fenster weht Ein Vorhang in die Nacht hinaus: Das ist fürwahr ein luftig Gitter, Das mir das Fräulein dort verschliesst, Nur schade, dass mir armem Ritter Der tiefe Strom dazwischen fliesst! So will ich ihr ein Ständchen bringen, Das weithin durch die Lüfte schallt, Und spiele du zu meinem Singen, O Geist der Nacht, auf Tal und Wald! Den Wind lass mit den Tannen kosen, Die wie gespannte Saiten stehn, Und mit der Wellen fernem Tosen Der Nachtigallen Chor verwehn! Nun will ich singen überlaut Vor allem Land, das grünt und blüht, Es ist kein Turm so hoch gebaut, Darüberhin mein Sang nicht zieht! So eine kühne Brücke schlagend, Such' ich zu ihrem Ohr den Weg; Betritt im Traum das Seelchen zagend Des wilden Lärmers schwanken Steg? Mehr Keller Gedichte? Bitte klicken Sie Gottfried Keller. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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