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Georg Heym Umbra vitae (Georg Heym)Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen Und sehen auf die großen Himmelszeichen, Wo die Kometen mit den Feuernasen Um die gezackten Türme drohend schleichen Und alle Dächer sind voll Sternedeuter, Die in den Himmel stecken große Röhren. Und Zaubrer, wachsend aus den Bodenlöchern, In Dunkel schräg, die einen Stern beschwören, Krankheit und Mißwachs durch die Tore kriechen In schwarzen Tüchern. Und die Betten tragen Das Wälzen und das Jammern vieler Siechen, Und welche rennen mit den Totenschragen. Selbstmörder gehen nachts in großen Horden, Die suchen vor sich ihr verlornes Wesen, Gebückt in Süd und West, und Ost und Norden, Den Staub zerlegend mit den Armen-Besen. Sie sind wie Staub, der hält noch eine Weile, Die Haare fallen schon auf ihren Wegen, Sie springen, daß sie sterben <nun> in Eile, Und sind mit totem Haupt im Feld gelegen. Noch manchmal zappelnd. Und der Felder Tiere Stehn um sie blind, und stoßen mit dem Horne In ihren Bauch. Sie strecken alle viere Begraben unter Salbei und dem Dorne. Die Meere aber stocken. In den Wogen Die Schiffe hängen modernd und verdrossen, Zerstreut, und keine Strömung wird gezogen Und aller Himmel Höfe sind verschlossen. Die Bäume wechseln nicht die Zeiten Und bleiben ewig tot in ihrem Ende Und über die verfallnen Wege spreiten Sie hölzern ihre langen Finger-Hände. Schatten sind viele. Trübe und verborgen. Und Träume, die an stummen Türen schleifen, Und der erwacht, bedrückt von andern Morgen, Muß schweren Schlaf von grauen Lidern streifen. Verfügbare Informationen: Erschienen im Buch "Dichtungen" ISBN: Unbekannt Herausgeber: Philipp Reclam jun. Mehr Heym Gedichte? Bitte klicken Sie Georg Heym. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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