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Friederike Kempner Das scheintote Kind (Friederike Kempner)Das scheintote Kind Nocturno Stürmisch finst're Nacht Kind im Grab erwacht, Seine schwache Kraft Jäh zusammenrafft. Machet auf geschwind, Ruft das arme Kind, Sieht sich ängstlich um: Finster ist's und stumm. Ueberall ist's zu »Mutter, wo bist Du?« Stoßet aus den Schrei, Horchet still dabei; Und in seiner Qual Klopft es noch einmal, Sieht sich grausend um: Finster ist's und stumm. Streckt die Ärmlein aus, Hämmert schnell drauf los, Ruft entsetzt und laut: »Hört, ich bin nicht tot!« Lehnt sein Haupt am Arm: Daß sich Gott erbarm', Lebt man ewig so? Und wo stirbt man, wo? Ach, man hört mich nicht, Gott, ach nur ein Licht! Sieht sich nochmals um! Finster bleibt's und stumm. Stier und starr es tappt, Und am Sarg es klappt, Horch, da strömt sein Blut Durch des Nagels Hut; Aus dem warmen Quell Sprudelt's rasend schnell: Endlich stirbt das Kind, Froh die Engel sind! Verfügbare Informationen: Erschienen im Buch "Gedichte" ISBN: 3-88221-802-9 Herausgeber: Matthes & Seitz Verlag Mehr Kempner Gedichte? Bitte klicken Sie Friederike Kempner. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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