Eduard Mörike
Der Jaeger (Eduard Mörike)

Drei Tage Regen fort und fort,

Kein Sonnenschein zur Stunde;

Drei Tage lang kein gutes Wort

Aus meiner Liebsten Munde!

Sie trutzt mit mir und ich mit ihr,

So hat sie's haben wollen;

Mir aber nagts am Herzen hier,

Das Schmollen und das Grollen.

Willkommen denn, des Jaegers Lust,

Gewittersturm und Regen!

Fest zugeknoepft die heisse Brust,

Und jauchzend euch entgegen!

Nun sitzt sie wohl daheim und lacht

Und scherzt mit den Geschwistern;

Ich hoere in des Waldes Nacht

Die alten Blaetter fluestern.

Nun sitzt sie wohl und weinet laut

Im Kaemmerlein, in Sorgen;

Mir ist es wie dem Wilde traut,

In Finsternis geborgen.

Kein Hirsch und Rehlein ueberall!

Ein Schuss zum Zeitvertreibe!

Gesunder Knall und Widerhall

Erfrischt das Mark im Leibe. -

Doch wie der Donner nun verhallt

In Taelern, durch die Runde,

Ein ploetzlich Weh mich ueberwallt,

Mir sinkt das Herz zu Grunde.

Und auf! und nach der Liebsten Haus!

Und sie gefasst ums Mieder!

"Drueck mir die nassen Locken aus,

Und kuess und hab mich wieder!"