So seh ich, Jesus, deine Füße wieder,

die damals eines Jünglings Füße waren,

da ich sie bang entkleidete und wusch;

wie standen sie verwirrt in meinen Haaren

und wie ein weißes Wild im Dornenbusch.

So seh ich deine niegeliebten Glieder

zum erstenmal in dieser Liebesnacht.

Wir legten uns noch nie zusammen nieder,

und nun wird nur bewundert und gewacht.

hat keine Lust zu meinem wehen Munde-.

O Jesus, Jesus, wann war unsre Stunde?

Wie gehn wir beide wunderlich zugrund.

Verfügbare Informationen:

Erschienen im Buch "Neue Gedichte"

Herausgeber: Insel Verlag

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