Ferdinand Freiligrath

»Prinz Eugen, der edle Ritter«

(Aus "Gedichte", 1838)

Zelte, Posten, Werda-Rufer!

Lust'ge Nacht am Donauufer!

Pferde stehn im Kreis umher

Angebunden an den Pflöcken;

An den engen Sattelböcken

Hangen Karabiner schwer.

Um das Feuer auf der Erde,

Vor den Hufen seiner Pferde

Liegt das östreich'sche Pikett.

Auf dem Mantel liegt ein jeder,

Von den Tschakos weht die Feder,

Leutnant würfelt und Kornett.

Neben seinem müden Schecken

Ruht auf einer wollnen Decken

Der Trompeter ganz allein:

»Laßt die Knöchel, laßt die Karten!

Kaiserliche Feldstandarten

Wird ein Reiterlied erfreun!

Vor acht Tagen die Affäre

Hab ich, zu Nutz dem ganzen Heere,

In gehör'gen Reim gebracht;

Selber auch gesetzt die Noten;

Drum, ihr Weißen und ihr Roten!

Merket auf und gebet acht!«

»Prinz Eugen, der edle Ritter!«

Hei, das klang wie Ungewitter

Weit ins Türkenlager hin.

Der Trompeter tät den Schnurrbart streichen,

Und sich auf die Seite schleichen

Zu der Marketenderin.

Verfügbare Informationen:

ISBN: 3 15 004911 3

Erschienen im Buch "Gedichte"

Herausgeber: Philipp Reclam jun.

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