Wandlung der Wahrnehmung: Was sind "Netzwerke"

Die Wahrnehmung der Lebenswelt als ein Netzwerk, das Denken in Netzwerken, ist eine Element des Systemdenkens, dass sich in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen als ein vorrangiges Paradigma modernen Denkens hervorgearbeitet hat. Stand hier zunächst die Komposition des Systems aus seinen Teilen, und die Feststellung der Eigenschaften der Systemteile und des Gesamtsystems im Vordergrund des Interesses, so traten doch bald die Beziehungen der Systemteile zu einander als eigenständige Dimension hervor.

Es stellte sich schnell heraus, dass die Summe der Eigenschaften der Teile nicht die Eigenschaften des Ganzen ergibt. Die systemischen Eigenschaften sind nicht bei einem einzelnen Systemteil vorhanden, sondern ergeben sich durch die prozesshaften Beziehungen der Teile. Bei näherer Betrachtung lösen sich diese Teile sogar wiederum in kleinere netzwerkartig organisierte Systeme auf, so dass schließlich die Zusammenhänge, Beziehungen und Prozesse als eigenständige Ebene primär in den Blick geraten.

Konkretisiert auf den gesellschaftlichen Bereich bedeutet dies eine Abkehr von herkömmlichen, hierarchisch-dirigistisch gesetzten Organisationsstrukturen und eine Hinwendung zu Kooperation und Koordination in Netzwerken in Wirtschaft und Gesellschaft. Die in diesen Netzwerken handelnden Akteure agieren im Rahmen von Organisationen, Unternehmen oder als Einzelpersonen in unterschiedlichen Netzwerken.

Unternehmen und Organisationen selbst bilden eigene Netzwerke und werden eingebunden in größere Netzwerkstrukturen. Von den damit verbunden diskursiven Prozesse wird viel erwartet, synergetische Effekte postuliert, Innovation in Aussicht gestellt. Wenngleich auch gleichzeitig die Schwierigkeiten dieser Entwicklung deutlich werden, so ist der Trend doch ungebrochen und das Umdenken unaufhaltsam in Gang gesetzt.

Jeden Menschen (wieder-) finden: Theorie der Small Worlds

Das Small World Phänomen bezeichnet eine Theorie, nach der jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen über eine Kette von Bekanntschaftsbeziehungen verbunden ist. Die Idee geht auf einen 1967 von Stanley Milgram publizierten Artikel zurück. Unter der Bezeichnung Six degrees of seperation ist die These bekannt, dass jeder Mensch höchsten 6 Schritte von Bekanntschaften von jedem anderem Menschen entfernt ist.

Dem Small World Phänomen wurde mit dem verfilmten Theaterstück "Six Degrees of Separation" von John Guare (1999) auch ein künstlerisches Denkmal gesetzt.

In Small World-Netzwerken beobachtet man zwei Phänomene. Erstens ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass zwei Knoten, die jeweils eine Kante zu einem dritten Knoten haben, auch untereinander verbunden sind.

Auf soziale Netzwerke übertragen bedeutet das, dass die Freunde einer Person meistens auch untereinander bekannt sind, weil sie sich über den gemeinsamen Freund kennengelernt haben.

Zweitens ist der Durchmesser dieser Netzwerke relativ klein. Das bedeutet, dass eine Nachricht, die jeweils von einem Knoten über eine Kante zu allen seinen Nachbarknoten weitergereicht wird, in kürzester Zeit alle Knoten in dem Netzwerk erreicht hat.