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Heyse
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Paul Heyse - Biographie in Stichworten


Heyses Kindheit


1830: Am 15. März 1830 wird Heyse in Berlin in der Heiliggeiststraße geboren. Der Vater, Carl Wilhelm Ludwig Heyse, Professor für klassische Philologie, war in jungen Jahren Erzieher von Wilhelm von Humboldt und Felix Mendelssohn. Die Mutter, Julie Heyse, stammt aus der begüterten und kunstinteressierten Familie des preußischen Hofjuweliers Jakob Salomon (nach dessen Übertritt vom Judentum zum Christentum Saaling). Schon in seinem Elternhaus trifft sich die kultivierte Gesellschaft, um sich über Musik und Kunst zu unterhalten.

Heyse ist bis 1847 Schüler des renommierten Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Sein Reifezeugnis weist ihn als Musterschüler aus.

Durch die Mutter, die unter anderem mit der Familie Mendelssohn-Bartholdy verwandt ist, erlangt er Zutritt zu den künstlerischen Salons Berlins. Heyse, der als Gymnasiast mit eigenen poetischen Versuchen hervortritt und einen Dichterklub mitbegründet, lernt so seinen späteren literarischen Mentor, den 15 Jahre älteren Emanuel Geibel kennen, der ihn in das Haus seines zukünftigen Schwiegervaters, den Kunsthistoriker und Schriftsteller Franz Kugler, einführt.

Geibel fördert Heyse, und aus dem Zusammentreffen der beiden Literaten entstehen eine lebenslange Freundschaft und einige gemeinsame Arbeiten.


Studium und Tunneljahre


1847: Nach seinem Schulabschluss beginnt Paul von Heyse 1847 mit dem Studium der klassischen Philologie in Berlin. Dort kommt er in Kontakt mit Burckhardt, Menzel, Theodor Fontane und Theodor Storm und schließt sich ab 1849 ihrem Dichterkreis ?Tunnel über der Spree? an. (Über seine Tunnelzeit berichtet recht anschaulich.)

"Frühlingsanfang 1848", das erste gedruckte Gedicht Heyses, drückt seine Begeisterung für die 48er Revolution aus. Nach einem kurzzeitigen schwärmerischen Ausflug zu den Studentengarden zieht er sich, vermutlich auch aus Rücksicht auf seine Eltern und Geibel, wieder zurück.

1849: Nach zwei Jahren Studium in Berlin wechselt er im April zum Studium der Kunstgeschichte und Romanistik nach Bonn.

1850: Er entscheidet sich endgültig für den Dichterberuf und beginnt seine Dissertation bei Friedrich Diez, dem Begründer der romanischen Philologie in Deutschland. Wegen einer Liebesaffäre mit der Frau eines seiner Professoren kehrt Heyse Ostern nach Berlin zurück. Heyses Erstling "Der Jungbrunnen" (Märchen und Gedichte) erscheint 1850 anonym vom Vater herausgegeben. Heyse bekommt vom Verleger Alexander Duncker ein Manuskript des noch unbekannten Theodor Storm. Seine begeisterte Rezension der "Sommergeschichten und Lieder" wird der Grundstein einer dauerhaften Dichterfreundschaft.

1851: Heyse gewinnt in einem internen Balladenwettstreit des "Tunnels" mit seiner Ballade "Das Tal von Espigno".

1852: Heyses erste Novelle "Marion" wird im "Tunnel" ausgezeichnet. Das später mehrfach vertonte "Spanische Liederbuch" mit Übersetzungen von Geibel und Heyse erscheint. Es ist der Beginn einer lebenslangen Übersetzertätigkeit, in der Heyse vor allem als Vermittler der italienischen Literatur (Leopardi, Giusti) Hervorragendes leistet. Um den steifen Umgangsformen im "Tunnel" zu entgehen, finden sich einige der Mitglieder (u.a Kugler, Lepel, Fontane, Storm, Heyse) im Dichterverein "Rütli" zusammen. Im Mai Promotion über den Refrain in der Poesie der Troubadoure, danach dank eines preußischen Staatsstipendiums Italienreise zur Untersuchung alter provençalischer Handschriften.


Dichterfürst in München


1852: In der Bibliothek des Vatikans erhält er Hausverbot, weil er sich Notizen von ungedruckten Handschriften macht. Heyse freundet sich mit zahlreichen Künstlern an, unter anderem mit Arnold Böcklin und Joseph Viktor von Scheffel.

1853: Heyse kehrt nach Deutschland zurück

Unter dem Eindruck der italienischen Landschaft entstehen Werke, die ihn weithin als Schriftsteller bekannt machen, unter anderem auch die Tragödie "Francesca von Rimini". Heyses berühmteste Novelle, "L'Arrabbiata" (1853), und seine "Lieder aus Sorrent" (1852/53) erscheinen als Beitrag in der "Argo", dem Jahrbuch des "Rütli".

1854: Der Dichter Emanuel Geibel überredet den bayrischen König Maximilian II., Paul Heyse mit einer hohen Pension nach München zu berufen. Heyse erhält eine Professur in romanischer Philologie, liest jedoch niemals an der Universität. Nach der Heirat mit Margarete Kugler Ankunft in München am 25. Mai 1854.

Bei seiner ersten Audienz beim König 1854 überreicht Heyse seine Verserzählungen "Hermen". Beginn eines regen geselligen Lebens mit den berufenen "Nordlichtern" Geibel, Heyse und Riehl. Gründung des geselligen Dichtervereins "Das Krokodil". Zu den bekannteren Mitgliedern des Vereins gehören neben Heyse und Geibel: Felix Dahn, Wilhelm Hertz, Hermann Lingg, Franz von Kobell, der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl, Friedrich Bodenstedt, der Reiseschriftsteller und Kunstmäzen Adolf Friedrich von Schack.

Im Dezember beginnt Heyse eine langjährige Korrespondenz mit Eduard Mörike.

1855: In der ersten Ehe werden Heyse vier Kinder geboren, sein Erstgeborener Franz am 22. August 1855.

Mit Geibel baute er einen Dichterkreis in München auf, in der die perfekte Beherrschung der Formen der poetisch-realistischen Lyrik gelehrt wurde.

Bereits in seinem ersten Jahr in München gründete Heyse mit Geibel die Dichtervereinigung ?Krokodil? um den literarischen Austausch anzukurbeln. Gleichzeitig begann er mit dem Schreiben seiner bekannten Novellen. Die berühmteste seiner über 150 Erzählungen, ?L`Arrabiata?, veröffentlichte Heyse 1855.

1857: In Zürich Beginn einer Freundschaft mit Gottfried Keller, ab 1859 reger Briefwechsel, ab 1872 gegenseitige Besuche.

1858: Heyse muss einige Mitglieder der Familie Kugler versorgen und deshalb den ungeliebten Redakteursposten beim "Literaturblatt zum deutschen Kunstblatt" annehmen. Er sagt ein verlockendes Angebot des Großherzog Carl Alexander von Weimar ab, der ihn zur Übersiedlung nach Thüringen bewegen will.

Beginn der Freundschaft mit dem schwäbischen Dichter Hermann Kurz

1859: Mit der Tragödie "Die Sabinerinnen" gewinnt Heyse erstmalig einen vom bayrischen König ausgesetzten Literaturpreis. Theodor Fontane nimmt an einem der "Symposien" teil. Heyse versucht vergeblich, dem damals Mittellosen eine Stellung in München zu verschaffen.

1860: Angeregt durch ein Bild seines Freundes Buonaventura Genelli schreibt Heyse für die "Argo" die Novelle "Der Centaur". 1870 wird sie neu bearbeitet unter dem Titel "Der letzte Centaur" herausgegeben. Außerdem erscheint die Sammlung italienischer Volkslieder "Italienisches Liederbuch".

1861: Bei einem Besuch in Wien lernt Heyse Grillparzer und Hebbel kennen. Auf Heyses Zureden übernimmt der Verleger Wilhelm Hertz Fontanes Balladen in seinen Verlag.

1862: Margarete Heyse, geb. Kugler erliegt am 30. September in Meran einer Lungenkrankheit. Mit dem Schauspiel "Ludwig der Bayer" erfüllt Heyse einen lang gehegten Wunsch Maximilian II., ein bayrisches Historiendrama zu schaffen. Das Stück fällt bei der Aufführung durch. In diesem Jahr: "Ein Münchner Dichterbuch", herausgegeben. mit Emanuel Geibel "Andrea Delfin" erscheint in der Sammlung "Neue Novellen".

1864 folgen "Gesammelte Novellen in Versen" (erweitert 1870), "Meraner Novellen", "Hans Lange" (Schauspiel)

1865: "Hadrian" (Tragödie), "Maria Maroni" (Tragödie), "Die Witwe von Pisa" (Novelle). "Colberg", das populärste Stück Heyses entsteht. Der Autor erhält dafür nach hunderten Aufführungen in ganz Deutschland am 31. März 1890 die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Kolberg.

1867: Heyse heiratet die blutjunge Münchnerin Anna Schubart; "Beatrice" (Novelle)

1868: "Das Mädchen von Treppi", "Die Stickerin von Treviso" (Novellen)

1869: "Moralischen Novellen"

1870: "Die Göttin der Vernunft" (Tragödie)

Heyse wird 1871 Mitglied des bayrischen "Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst". In der Einleitung des "Deutschen Novellenschatzen" (bis 1876 24 Bd., hg. mit Hermann Kurz) entwickelt Heyse seine "Falkentheorie"; "Die Stickerin von Treviso" (Novelle)

1872 :"Novellenschatz des Auslandes (7 Bd. mit Hermann Kurz, vermehrt 1903, 14 Bd.) sowie "Gedichte" (vermehrt 1885)

1873:"Kinder der Welt", vorabgedruckt 1872 in der "Spenerschen Zeitung", erregt landesweite Aufmerksamkeit. Der Roman festigt Heyses Ruf, ein moderner Geist zu sein und wird zu einem großen Erfolg.

1874: "Nerina" (Novelle)

1875: Briefwechsel mit Wilhelm Raabe

"Ehre um Ehre" (Schauspiel), "Im Paradiese" (Roman)

1877:Das Trauerspiel "Elfride" erhält begeisterte Zustimmung, beispielsweise von Turgenjew und Storm; "Graf Königsmarck" (Tragödie), "Skizzenbuch" (Gedichte)

1878: "Neue moralische Novellen"

1879:"Das Ding an sich" (Novellen), "Der Salamander" (Tragödie)

1881: "Die Weiber von Schorndorf" (Schauspiel), "Das Glück von Rothenburg" (Novelle)

1882: Im "Neuen Münchner Dichterbuch" fasst Heyse noch einmal die literarischen Leistungen der "Krokodile" zusammen. Auf Anraten Heyses erhält Storm den bayrischen Maximiliansorden; Troubadour-Novellen

1883: "Siechentrost" (Novelle), "Buch der Freundschaft" (Novellen), "Alkibiades" (Tragödie), "Unvergeßbare Worte" (Novellen)

1884: Heyse wird Vorsitzender der Deutschen Schillerstiftung, deren Gründungsmitglied er 1855/59 war; "Neuer deutscher Novellenschatz" (bis 1888 24 Bd., hg. mit L. Laistner)

1885: Heyse wird in den konstituierenden Vorstand der Goethegesellschaft in Weimar gewählt.Von der Gruppe der Münchner Naturalisten um Michael Georg Conrads Zeitschrift "Gesellschaft" wird er zum Symbol einer veralteten Kunstgesinnung erklärt und von nun an heftig bekämpft.

1886:"Himmlische und irdische Liebe" (Novellen).

1887:Heyse wird Mitglied der Jury für den preußischen "Schillerpreis; "Der Roman der Stiftsdame"

1888 :"Villa Falconieri" (Novellen)

1889: "Italienische Dichter seit der Mitte des 18. Jahrhunderts" (1905, 5 Bd., Übersetzungen, Studien), "Kleine Dramen".

1891: "Weihnachtsgeschichten"

1892: "Merlin" (Roman)

1894: "In der Geisterstunde und andere Spukgeschichten"

1895: "Melusine" (Novelle), "Über allen Gipfeln" (Roman).

1896: "Vanina Vanini" (Tragödie)

1897: "Das Rätsel des Lebens" (Charakterbilder), "Neue Gedichte und Jugendlieder".

1898: "Der Bucklige von Schiras" (Komödie), "Der Sohn des Vaters" (Novellen).

1899: Heyse verbringt die Winterhalbjahre des nächsten Jahrzehnts in seiner Villa in Gardone am Gardasee; "Maria von Magdala", "Neue Märchen", "Das literarische München - 25 Porträtskizzen"

1900: Heyse wird zum Münchner Ehrenvorsitzendes des "Deutschen Goethebundes zur Wahrung der geistigen Freiheit", außerdem Ehrenmitglied der Deutschen Schillerstiftung. Sonderhefte ("Jugend"!), Alben und zahlreiche Publikationen zu seinem 70. Geburtstag; "Jugenderinnerungen und Bekenntnisse"

1901: "Gefangene Singvögel" (Novelle)

1902: "Novellen vom Gardasee", "Ninon" (Novelle)

1903: "Moralische Unmöglichkeiten" (Novellen), "Ein Wintertagebuch, Gardone 1901-1902"

1904: "Mythen und Mysterien"

1905: "Die törichten Jungfrauen" (Komödie), "Crone Stäudlin" (Roman)

1906: "Victoria Regia und andere Novellen"

1907: "Gegen den Strom" (Roman)

1908: "Menschen und Schicksale" (Novellen)

1909

"Die Geburt der Venus" (Roman), "Helldunkles Leben" (Novellen)

1910: Die Stadt München ernennt Heyse anlässlich seines 80. Geburtstages zu ihrem Ehrenbürger. Der Prinzregent Luitpold verleiht ihm den persönlichen Adel, von dem er jedoch niemals Gebrauch macht. Am 10. Dezember erhält Heyse als erster deutscher Autor für ein belletristisches Werk den Literaturnobelpreis.

1914: Heyse stirbt als letzter der großen Erzähler des 19. Jh. am zweiten April, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und wird auf dem Münchner Waldfriedhof begraben.Die "Letzten Novellen" und die "Italienischen Volksmärchen" werden die letzte Arbeiten Heyses.


Die Falkentheorie


Paul von Heyse entwickelte eine Novellentheorie, um der Formauflösung entgegenzuwirken. Sie ging als ?Falkentheorie? in die Literaturgeschichte ein, da Heyse sie am Beispiel jener Boccaccio-Novelle erläuterte, in der ein verliebter, aber verarmter Jüngling seiner Angebeteten seinen einzigen Besitz, einen Falken, als Essen serviert. Diese Besonderheit müsse in jeder Novelle zu finden sein, meint Heyse. In vielen seiner Novellen verwirklichte er die Falkentheorie.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Paul Heyse aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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