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Justinus Kerner - Leben

Sein Vater war, ebenso wie sein Großvater, Oberamtmann in Ludwigsburg. Justinus ging zur Schule in Ludwigsburg und wurde dann zunächst in Maulbronn, wohin sein Vater versetzt worden war, von Stipendiaten der dortigen Klosterschule unterwiesen, dann erhielt er in Knittlingen Unterricht. Nach dem Tod seines Vaters steckte seine Mutter den noch minderjährigen Justinus als Kaufmannslehrling in das Kontor der herzoglichen Tuchfabrik in Ludwigsburg. Kerner gefiel die stumpfsinnige Arbeit nicht. Er fing an, zur Ablenkung Gedichte zu schreiben und die Kranken des im selben Gebäude untergebrachten Irrenhauses durch Spielen auf seiner Maultrommel zu unterhalten. Sein ehemaliger Pfarrer und Lehrer Karl Philipp Conz, inzwischen Dichter und Professor für alte Sprachen an der Universität Tübingen, setzte bei Kerners Mutter durch, dass der Sohn studieren durfte. Von 1804 bis zu seiner Promotion 1808 studierte er Medizin und Naturwissenschaften in Tübingen.

Bereits zu Studienzeiten war er mit Ludwig Uhland und Gustav Schwab befreundet, woraus sich später der Kern der Schwäbischen Dichterschule entwickeln sollte, zu deren namhaftesten Vertretern Kerner gehörte. 1807 lernte er bei einer Feier aus Anlass von Uhlands Geburtstag seine spätere Frau Friederike Ehmann (9. Januar 1786 ? 4. April 1854) kennen, von ihm ''Rickele'' genannt und in vielen Gedichten verewigt, die er 1813 heiratete. Aus der Ehe gingen die Töchter Marie (verh. Niethammer; 2. Dezember 1813 ? 14. April 1886) und Emma (verh. Gsell; 16. November 1822 ? 26. November 1895) sowie der Sohn Theobald (14. Juni 1817 - 11. August 1907) hervor.

Nach seinem Studium und mehreren Reisen war er ab 1810 als Arzt tätig. Zunächst war er in Dürrmenz, ab 1811 Badearzt in Wildbad, seit 1812 als praktischer Arzt in Welzheim tätig. 1815 wurde er Oberamtsarzt zunächst in Gaildorf, ab 1819 bis zu seiner Pensionierung infolge eines Augenleidens (Grauer Star) 1851 dann in Weinsberg. Dort führten er und seine Frau ein gastfreundliches Haus (1822 erbaut und heute noch zu besichtigen) und pflegten zahlreiche Kontakte. Ludwig Uhland, Gustav Schwab, Nikolaus Lenau und Alexander von Württemberg gingen dort ein und aus. Sein Sohn, Theobald Kerner, ebenfalls Arzt und Schriftsteller, berichtete darüber in seinem 1894 erschienenen Buch ''Das Kernerhaus und seine Gäste''. Auch in München hatte er einen Freundeskreis.

Sein Stil wird als schlicht und innig beschrieben, wobei sich in seinen Werken sowohl Wehmut als auch Humor und echte Herzensfrömmigkeit finden. Einige seiner Gedichte sind sehr bekannt, auch als Lieder, wie ''Der reichste Fürst'', ''Wanderlied'' (?''Wohlauf! Noch getrunken den funkelnden Wein!''?) oder ''Der Wanderer in der Sägmühle'', wenn auch oft nicht bewusst ist, dass es sich um Gedichte Kerners handelt. Später wandte er sich spiritistischen, okkultistischen und somnambulistischen Fragen zu. Letzteres fand in dem Buch über ''Die Seherin von Prevorst'' (Friederike Hauffe) seinen Niederschlag.

Kerners Freude am Grotesken beweisen seine ?Klecksographien?. Quelle dieser Beschäftigung waren die ?Tintensäue?, die zuweilen auf die Briefe und Manuskripte des fast erblindeten Dichters fielen. Durch Faltung des Papiers erzeugte er aus den zerdrückten Tintenklecksen abstrakte Zeichnungen, denen er mit ein paar zusätzlichen Federstrichen eine narrative Darstellung zu geben versuchte. Das von ihm aus Klecksographien zusammengestellte ?Hadesbuch? ist in Urschrift im Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar erhalten. Der Schweizer Psychoanalytiker Hermann Rorschach benutzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts solche ?Zeichnungen? seiner Patienten in dem nach ihm benannten und stets umstrittenen Rorschachtest zur Bestimmung von Wahrnehmungsvermögen, Intelligenz und emotionalen Charakteristika.

Aus heimatkundlichem Interesse bemühte er sich um die Erhaltung der Burgruine Weibertreu in Weinsberg und verfasste 1820 auf Grundlage handschriftlicher Quellen einen Aufsatz (1822 als Buch) über Weinsberg im Bauernkrieg, '' Die Bestürmung der Stadt Weinsberg durch die hellen christlichen Haufen im Jahre 1525 und deren Folgen für diese Stadt''.

Seine bleibende Leistung als Arzt ist die erstmalige Beschreibung der bakteriellen Lebensmittelvergiftung Botulismus, deren Name ebenfalls von ihm stammt.

Justinus Kerner wurde auf dem Weinsberger Friedhof neben seiner Frau Rickele begraben. Das Grab existiert bis heute.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Justinus Kerner aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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