Gottfried Keller
Parteigänger (Gottfried Keller)

Gefallen sind die Hiebe,

Verflogen Staub und Rauch,

Und süsse Bruderliebe

Blüht wieder an jedem Strauch!

Hin ist so mancher Brave,

Und bläkend ziehn die Schafe

Zum Pferch nach alten Brauch.

Nun singt in allen Pfannen

Der fette Siegesbrei;

So reit' ich denn von dannen,

Die Strassen sind ja frei!

Und winkt ein Schank an Wegen,

Will ich hinein mich legen

Und sehn, was Ruhen sei!

Ich bin als heisser Zecher

Auf einen Trunk erpicht;

Doch füllen meinen Becher

Wohl Tränen Christi nicht -

Ich trink' nur herbe Reben

Und lass' im Herben leben

Mein Schätzel derb und schlicht!

Ich bin ein wilder Reiter,

Auch beisst und schlägt mein Gaul,

Ich bin ein grober Streiter

Und führ' ein grobes Maul;

Und sind auch allerwegen

Mir rostig Schild und Degen -

Drein schlag' ich drum nicht faul!

So sitz' ich in der Schenke

Zur braunen Distel wert,

Weil draussen an der Tränke

Gesattelt steht das Pferd;

Ich lach' der neuen Herren,

Die an der Beute zerren,

Und lockre still mein Schwert