Georg Heym

Die Seiltänzer (Georg Heym)

               

Sie gehen über den gespannten Seilen

Und schwanken manchmal fast, als wenn sie fallen.

Und ihre Hände schweben über allen,

Die flatternd in dem leeren Raum verweilen.

Das Haus ist übervoll von tausend Köpfen,

Die wachsen aus den Gurgeln steil, und starren

Wo oben hoch die dünnen Seile knarren.

Und Stille hört man langsam tröpfeln.

Wesenlos, seltsam, wie sie sich verrenken

Und ihre großen Drachenschirme schwingen,

Und dünner Beifall klappert auf den Bänken.

Verfügbare Informationen:
Erschienen im Buch "Dichtungen"
Herausgeber: Philipp Reclam jun.