Friedrich Nietzsche
Das nächtliche Geheimniss (Friedrich Nietzsche)

Gestern Nachts, als Alles schlief,

Kaum der Wind mit ungewissen

Seufzern durch die Gassen lief,

Gab mir Ruhe nicht das Kissen,

Noch der Mohn, noch, was sonst tief

Schlafen macht - ein gut Gewissen.

Endlich schlug ich mir den Schlaf

Aus dem Sinn und lief zum Strande.

Mondhell war's und mild - ich traf

Mann und Kahn auf warmem Sande,

Schläfrig beide, Hirt und Schaf: -

Schläfrig stiess der Kahn vom Lande.

Eine Stunde, leicht auch zwei,

Oder war's ein Jahr? - da sanken

Plötzlich mir Sinn und Gedanken

In ein ew'ges Einerlei,

Und ein Abgrund ohne Schranken

That sich auf: - da war's vorbei! -