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Friedrich Hebbel


Das Haus am Meer (Friedrich Hebbel)


             
Hart an des Meeres Strande
    baut man ein festes Haus;
als sollt' es ewig dauern,
so heben die trotz'gen Mauern
    sich in das Land hinaus.

Mächtige Hammerschläge
    erdröhnen schwer und voll;
die Sägen knarren und zischen,
verworren hört man dazwischen
    der Wogen dumpf Geroll.

Durch das Gebälke klettert
    ein rüst'ger Zimmermann;
der Wind, der sich erhoben,
zerreißt mit seinem Toben
    das Lied, das er begann.

Ich bin hineingetreten;
    daß solch ein Werk gedeiht;
das ist an Gott gelegen;
zu beten um seinen Segen,
    nehm' ich mir gern die Zeit.

Die Fenster gehen alle
    hinaus auf die wilde See;
noch sind sie nicht verschlossen,
eine Möwe kommt geschossen
    durch das, an dem ich steh'.

Hier will der Bewohner schlafen;
    schon wird in dem luft'gen Raum
die Bettstatt aufgeschlagen;
da ahn' ich mit stillem Behagen
    voraus gar manchen Traum.

Doch wende ich mein Auge,
    fällt's auf gar manches Riff,
ich sehe des Meeres Tosen,
drüben im Grenzenlosen
    durchbricht den Nebel ein Schiff.

Wer ist's denn, der am Strande,
    am öden, sein Haus sich baut?
»Ein Schiffer; seit vielen Jahren
hat er das Meer befahren,
    nun ist's ihm lieb und vertraut.

'Dies ist die letzte Reise,
    ich fühl' mich alt und müd',
daß ich mein Nest dann finde,
hobelt und hämmert geschwinde!'
    So sprach er, als er schied.

Jetzt kann er stündlich kehren,
    er ist schon lange fort,
drum müssen wir alle eilen!«
Des schwellenden Sturmwinds Heulen
    verschlingt des Zimm'rers Wort.

Die Wolken ballen sich dräuend,
    riesige Wogen erstehn,
aufgerüttelt von Stürmen,
schrecklich, wenn sie sich türmen,
    schrecklicher, wenn sie zergehn.

Ich fürchte, das ist der Schiffer,
    dem man dies Bett bestellt,
der Zimm'rer mit dem Hammer
befestigt die letzte Klammer,
    während das Schiff zerschellt.


Verfügbare Informationen:
  Erschienen im Buch "Vom goldnen Überfluss"
  ISBN: Unbekannt
  Herausgeber: R. Voigtländers Verlag


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