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Friedrich Hebbel Bubensonntag (Friedrich Hebbel)Wenn ich einst, ein kleiner Bube, Sonntags früh im Bette lag, und die helle Kirchenglocke all das Schweigen unterbrach: O wie schlüpft' ich dann so hurtig aus dem Bett ins Kleid hinein, und wie gern ließ ich das Frühstück, um zuerst bei Gott zu sein! Ein Gesangbuch unterm Arme, eh' ich's Lesen noch verstand, ging ich fort, gebeugten Hauptes, fromm verschränkend Hand in Hand. Kam mein Hündchen froh gesprungen, schalt ich: »Komm mir nicht zu nah!« Kaum daß ich, zur Seite schielend, nach der Vogelfalle sah. Fiel die Kirchentür nun knarrend hinter meinem Rücken zu, sprach ich furchtsam-zuversichtlich: »Jetzt allein sind Gott und du!« Längst mit ganzem, vollem Herzen hing ich da an meinem Gott, Doch, daß niemand ihn erblicke, hielt ich stets für eitel Spott. Und so hofft' ich jeden Morgen, endlich einmal ihn zu seh'n; war's denn nichts in meinen Jahren, stets um fünfe aufzustehn? Auf dem hohen Turm die Glocke war schon lange wieder stumm, der Altar warf düstre Schatten, Gräber lagen rings herum. Drang ein Schall zu mir herüber, dacht' ich: jetzt wirst du ihn schaun! Aber meine Augen schlossen sich zugleich vor Angst und Graun. Still und träumend dann zu Hause schlich ich mich in süßer Qual, und mein klopfend Herz gelobte, sich mehr Mut fürs nächste Mal. Verfügbare Informationen: Erschienen im Buch "Vom goldnen Überfluss" ISBN: Unbekannt Herausgeber: R. Voigtländers Verlag Mehr Hebbel Gedichte? Bitte klicken Sie Friedrich Hebbel. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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