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Emanuel Geibel Des Woiewoden Tochter (Emanuel Geibel)Es steht im Wald, im tiefen Wald Das Haus des Woiewoden; Eiszapfen hangen am Dache kalt, Und Schnee bedeckt den Boden. Das Fräulein sitzt am Herd und spinnt Zu ihrem Hochzeitschleier; Sie hört im Rauchfang gehn den Wind Und schürt empor das Feuer. Da tritt die Waldfrau zu ihr ein, Die pflegt nichts Guts zu bringen: »Guten Abend, feines Goldtöchterlein! Will dir ein Liedchen singen!« »Was sollen deine Lieder mir? Mein Liebster, der kommt balde. Da hast du Brot, da hast du Bier, Geh wieder heim zum Walde!« Die Alte sprach. »Hast immer Zeit Dein Schatz wird nimmer kommen, Der Wald ist tief, der Weg ist weit; Hat andern Weg genommen.« »Was quälst du mich mit falschem Weh? Treu wird mein Liebster bleiben, Er schwur es mir, bis aus dem Schnee Einst rote Röslein treiben.« Das Fräulein rief's, doch ward ihr bang, Der Wind pfiff nicht geheuer, Die Alte blieb, die Alte sang Ihr dumpfes Lied ins Feuer: »Und als ich ging die Schlucht entlang, Da kamen drei Wölfe gesprungen, Die heulten wie ob gutem Fang Und hatten blutige Zungen. Und als ich kam zum Fichtenzaun, Drei Raben hört ich schreien; Sie schrien: ihr Jungen, euch soll traun Der frische Schmaus gedeihen! Und als ich kam zum eisgen See, Hab ich einen Knaben gefunden! Es floß wohl über den Winterschnee Sein Blut aus tiefen Wunden. Rot Röslein blüht aus dem Schnee so kalt, Nun hast du's selbst vernommen. Der Weg ist weit und tief der Wald, Dein Schatz wird nimmer kommen.« Und lauter draußen pfiff der Wind, Und lauter schrien die Raben. Drei Tage nach diesem hat sein Kind Der Woiewod begraben. Verfügbare Informationen: Erschienen im Buch "Deutsche Balladen" ISBN: 3-15-008501-2 Herausgeber: Philipp Reclam jun. Mehr Geibel Gedichte? Bitte klicken Sie Emanuel Geibel. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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