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Eduard Mörike Bilder aus Bebenhausen (Eduard Mörike)1. Kunst und Natur Heute dein einsames Tal durchstreifend, o trautestes Kloster, Fand ich im Walde zunaechst jenen veroedeten Grund, Dem du die maechtigen Quader verdankst und was dir zum Schmucke Deines gegliederten Turms alles der Meister verliehn. Ganz ein Gebild des fuehlenden Geistes verleugnest du dennoch Nimmer den Mutterschoss drueben am felsigen Hang. Spielend ahmst du den schlanken Kristall und die rankende Pflanze Nach und so manches Getier, das in den Klueften sich birgt.2. Brunnen-Kapelle am Kreuzgang Hier einst sah man die Scheiben gemalt, und Fenster an Fenster Strahlte der daemmernde Raum, welcher ein Bruennlein umschloss, Dass auf der tauenden Flaeche die farbigen Lichter sich wiegten, Zauberisch, wenn du wie heut, herbstliche Sonne, geglaenzt. Jetzo schattest du nur gleichgueltig das steinerne Schmuckwerk Ab am Boden, und laengst fuellt sich die Schale nicht mehr. Aber du zeigst mir troestlich im Garten ein bluehendes Leben, Das dein wonniger Strahl locket aus Moder und Schutt.3. Ebendaselbst Eulenspiegel am Kreuzgang, was? der verrufne Geselle Als Gurttraeger? Und wem haelt er sein Spiegelchen vor? Einem entruesteten Moench, der ganz umsonst sich ereifert; Immer nur lachet der Schalk, weis't ihm die Eule und lacht.4. Kapitelsaal Wieder und wieder bestaun ich die Pracht der romanischen Halle, Herrliche Bogen, auf kurzstaemmige Saeulen gestellt. Rauh von Korn ist der Stein, doch nahm er willig die Zierde Auch zu der Grossheit auf, welche die Massen beseelt. Nur ein duesteres Halblicht sendet der Tag durch die schmalen Fenster herein und streift dort ein vergessenes Grab. Rudolf dem Stifter, und ihr, Mechtildis, der frommen, vergoennte Dankbar das Kloster, im Port seiner Geweihten zu ruhn.5. Sommer-Refektorium Sommerlich hell empfaengt dich ein Saal; man glaubt sich in einem Dom; doch ein heiterer Geist spricht im Erhabnen dich an. Ha, wie entzueckt aufsteiget das Aug im Flug mit den schlanken Pfeilern! Der Palme vergleicht fast sich ihr luftiger Bau. Denn vielstrahlig umher aus dem Bueschel verlaufen die Rippen Oben und knuepfen, geschweift, jenes unendliche Netz, Dessen Felder phantastisch mit gruenenden Ranken der Maler Leicht ausfuellte; da lebt was nur im Walde sich naehrt: Frei in der Luft ein springender Eber, der Hirsch und das Eichhorn; Habicht und Kauz und Fasan schaukeln sich auf dem Gezweig. - Wenn von der Jagd herkommend als Gast hier speiste der Pfalzgraf, Sah er beim Becher mit Lust ueber sich sein Paradies.6. Gang zwischen den Schlafzellen Hundertfach wechseln die Formen des zierlich gemodelten Estrichs Auf dem Flur des Dorments, roetlich in Wuerfeln gebrannt: Rebengewinde mit gruener Glasur und blaeulichen Trauben, Taeubchen dabei, paarweis, rings in die Ecken verteilt; Auch dein gotisches Blatt, Chelidonium, dessen lebendig Wucherndes Muster noch heut draussen die Pfeiler begruent; Auch, in heraldischer Zeichnung, erscheint vielfaeltig die Lilie, Blume der Jungfrau, weiss schimmernd auf roetlichem Grund. Alles mit Sinn und Geschmack, zur Bewunderung! aber auch alles Fast in Truemmern, und nur seufzend verliess ich den Ort.7. Stimme aus dem Glockenturm Ich von den Schwestern allein bin gut katholisch geblieben; Dies bezeugt euch mein Ton, hoff ich, mein goldener, noch. Zwar ich klinge so mit, weil ich muss, sooft man uns laeutet, Aber ich denke mein Teil, wisst es, im stillen dabei.8. Am Kirnberg Hinter dem Bandhaus lang hin dehnt sich die Wiese nach Mittag, Laengs dem huegligen Saum dieser bewaldeten Hoehn, Bis querueber ein maechtiger Damm sich wirft wie mit gruenem Sammet gedeckt: ehdem fasste das Becken den See, Welcher die Schwelle noch netzte des Pfoertleins dort in der Mauer, Wo am eisernen Ring spielte der wartende Kahn. Sah ich doch juengst in der Kirche das Heiligenbild mit dem Kloster Hinten im Grund: tiefblau spiegelt der Weiher es ab. Und auf dem Schifflein fahren in Ruh zwei Zisterzienser, Weiss die Gewaender und schwarz, Angel und Reuse zur Hand. Als wie ein Schattenspiel, so hell von Farben, so kindlich Lachte die Landschaft mich gleich und die Gruppe mich an.9. Aus dem Leben Maedchen am Waschtrog, du blondhaariges, zeige die Arme Nicht und die Schultern so bloss unter dem Fenster des Abts! Der zwar sieht dich zum Glueck nicht mehr, doch dem artigen Forstmann Dort bei den Akten bereits stoerst du sein stilles Konzept.10. Nachmittags Bleistift nahmen wir mit und Zeichenpapier und das Reissbrett; Aber wie schoen ist der Tag! und wir verduerben ihn so? Beinah daecht ich, wir liessen es gar, wir schaun und geniessen! Wenig verliert ihr, und nichts wahrlich verlieret die Kunst. Haett ich auch endlich mein Blatt vom Gasthaus an und der Kirche Bis zur Muehle herab fertig gekritzelt - was ists? Hinter den licht durchbrochenen Turm, wer malt mir dies suesse, Schimmernde Blau, und wer rundum das warme Gebirg? - Nein! wo ich kuenftig auch sei, fuerwahr mit geschlossenen Augen Seh ich dies Ganze vor mir, wie es kein Bildchen uns gibt. Mehr Mörike Gedichte? Bitte klicken Sie Eduard Mörike. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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