Eduard Mörike
An Gretchen (Eduard Mörike)

Juengst, als unsere Maedchen, zur Fastnacht beide verkleidet,

Im Halbdunkel sich scheu erst an der Tuere gezeigt,

Dann sich die Blonde als Schaeferin dir, mir aber die kleine

Mohrin mit Lachen zumal warf in den offenen Arm,

Und du, Liebste, von fern mein Gefuehl nicht ahnend, ins Ohr mir

(Der ich verbluefft dasass) fluestertest "lobe sie doch" -:

O wie gedacht ich der Zeit, da diese nicht waren, und wir uns

Beide noch fremd, ja du selber noch hiessest ein Kind.

Einst und Jetzt im Wechsel - ein fliegender Blitz der Gedanken

Machte mich stumm, und hoch wallte vor Freuden mein Herz.