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Detlev von Liliencron Die händeringende Mutter Gottes (Detlev von Liliencron)Unbewölkter Sommerhimmel Über einer deutschen Landschaft. Auf dem Hügel steht das Kirchlein, Überschattet von zwei Riesen, Zwei sechshundertjährigen Eichen. Purpurrote Baldachine Spannen sich wie Hängematten. Zwischen beiden, windgeschaukelt, Goldne Banner, blauberändert, Mit dem Bild der heiligen Jungfrau, Hangen schwer aus Laub und Zweigen. Fern im violetten Dunste Saugen meine Sehnsuchtsblicke Das Getürm, Gezack der Berge. Wälder, Weiler, abgelegen, Daß sie nicht den Frieden stören, Der die einsame Kapelle Schützt vor wüstem Weltgetriebe, Dunkeln, hellen aus der Gegend; Und auf eine Meile vor mir Kreuzt den See der fällige Dampfer, Ganz genau erkenn ich es. Wie die Schlange, bunt geordnet, Mit Gesängen, Hallelujahs, Immer schwächer klingt das Singen, Klingt das Summen der Gebete, Zieht hinab die Prozession. Auf des Hügels andrer Seite Keucht herauf, mit Bier beladen, Knarrend, fässervoll, ein Wagen. Wie das Viergespann sich anstrengt! Wie's die Brust den Riemen bietet, Wie die Mähnen, rotdurchflochten, Wie das Messingzeug der Kumpten, Wie die spanischen Fliegenschützer, Die der Gäule Ohren decken, Wie der Knecht die Peitsche hochhebt, Wie das alles blitzt und leuchtet, Wie das alles blitzt und funkelt Durch den Mittagssonnenschein. Oben, um das alte Kirchlein, Blüht im Umsehn jetzt ein Leben: Würfelbuden, Spundlochkeilklang, Tisch und Bänke, roh gezimmert, Wachsen eilig aus der Erde. In den Ästen sitzt der Spielmann, Der zum Tanz die Fiedel peinigt. Weg die Jacken in der Hitze, Juchhei! all die frohen Menschen, All die Mädel, all die Knaben Schlingen sich zum deutschen Reigen, Und ich schleife tüchtig mit. Eine fand ich, die gefiel mir, War ein süßes Schwabenmädle, Mit den süddeutsch braunen Augen. Und die beiden jungen Herzen, Mein Herz, ihr Herz schlugen heftig, Voller Lust in eins zusammen. Abends führte ich das Holdchen Von dem Hügel durch die Wälder, Langsam in ihr Heimatdorf. Da, auf einmal, an ein Brückchen Kommen wir; und letzter Abend, Letzte heilige Abendhelle Grüßte durch die Nacht herüber. Dumpf erklangen unsre Tritte Auf den Bohlen, auf den Brettern. Aber immer noch umschlungen, Überschritten den Beschlag wir. Da, schon war der Bach im Rücken, Sahen wir am andern Ufer Die Madonna, holzgeschnitzelt. Die Madonna Dolorosa Rang die Hände. Und ihr Auge War gerichtet in die Wolken. Ich nun mußte leise lächeln, Daß so schwer die Unbefleckte Über unsern Heimgang dachte. Aber mein lieb gutes Mädle, Mit den süddeutsch braunen Augen, Sah die schmerzensreiche Mutter, Sah die schmerzgerungnen Hände, Sah den Tann nicht und die Brücke Vor der Küsse Seligkeit. Verfügbare Informationen: Erschienen im Buch "Gedichte" ISBN: 3 15 007694 3 Herausgeber: Philipp Reclam jun. Mehr Liliencron Gedichte? Bitte klicken Sie Detlev von Liliencron. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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