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Clemens Brentano Ich wohnte unter vielen vielen Leuten... (Clemens Brentano)Ich wohnte unter vielen vielen Leuten Und sah sie alle tot und stille stehn, Sie sprachen viel von hohen Lebensfreuden Und liebten, sich im kleinsten Kreis zu drehn; So war mein Kommen schon ein ewig Scheiden Und jeden hab ich einmal nur gesehn, Denn nimmer hielt mich's, flüchtiges Geschicke Trieb wild mich fort, sehnt ich mich gleich zurücke. Und manchem habe ich die Hand gedrücket, Der freundlich meinem Schritt entgegensah, Hab in mir selbst die Kränze all gepflücket, Denn keine Blume war, kein Frühling da, Und hab im Flug die Unschuld mit geschmücket, War sie verlassen meinem Wege nah; Doch ewig ewig trieb mich's schnell zu eilen, Konnt niemals nicht des Werkes Freude teilen. Rund um mich war die Landschaft wild und öde, Kein Morgenrot, kein goldner Abendschein, Kein kühler Wind durch dunkle Wipfel wehte, Es grüßte mich kein Sänger in dem Hain; Auch aus dem Tal schallt keines Hirten Flöte, Die Welt schien mir in sich erstarrt zu sein. Ich hörte in des Stromes wildem Brausen Des eignen Fluges kühne Flügel sausen. Ich sah sie nicht die großen Süßigkeiten, Vom Überfluß der Welt und ihrer Wahl Mußt ich hinweg mit schnellem Fittich gleiten. Hinabgedrückt von unerkannter Qual, Konnt nimmer ich den wahren Punkt erbeuten Und zählte stumm der Flügelschläge Zahl, Von ewigen unfühlbar mächtgen Wogen In weite weite Ferne hingezogen. Verfügbare Informationen: Erschienen im Buch "Gedichte" ISBN: 3-15-008669-8 Herausgeber: Philipp Reclam jun. Mehr Brentano Gedichte? Bitte klicken Sie Clemens Brentano. Gedichte aller Autoren finden Sie in unserem Index. |
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